Vertikale Ensemblierformel

Ensemblieren heißt bei Körner, nach dem intensiven zergliedernden Lesen die neu gewonnenen Satzteile im richtigen Verhältnis wieder zusammenzusetzen.

Körner unterscheidet nach horizontalem und vertikalem Ensemblieren.

Für das vertikale Ensemblieren findet er die Formel : a-f-t-org-ord-r/sv oder bwz:
act fact organisation ordnung resultat SV Seinssachverhalt oder BWZ Bewußtseinszustand

Diese Formel gibt das Verhältnis von einer Karte zu einer oder mehreren anderen Karten an.

Act (als ein Raumpunkt) ist das Elementarteilchen des Ensemblierens, mit fact wird das Verhältnis mehrerer acts zueinander beschrieben, eine Tendenzform. Die Tendenz organisiert mehrere Fakten zueinander, letztlich wird eine Ordnung geschaffen.

„Praktische“ Beispiele für die Anwendung der Formel bringt Körner selbst im Fragment vom Buch Vierter Kasten, wo er seine Lesenotizen zu Shakespeares Richard III notiert hat, z.B. auf Karteikarte 0940:

Weitere Ensemblierbeispiele findet man hier.

Ensemblieren

Vertieft lesen und sich die Zusammenhänge selbst erschließen

Thomas Körner stellt sich vor, dass der Leser mit einer neuen Arbeitstechnik an das Lesen herangeht, weil es hier kein Blättern von Seite zu Seite (eines Buches) gibt – wie es in unserer seit Jahrhunderten eingeübten Kulturtechnik des Lesens üblich ist. Körner beschreibt das in seinem Fragment vom Buch auf einer Karteikarte:

Ensemblieren als eine neue Art zu lesen

Der Erste Kasten im Fragment vom Buch

Das Fragment vom Buch umfasst fünf Kästen, die ursprünglich in der Form von Karteikästen entstanden sind. Der Erste Kasten in Körners Aufschreibesystem gilt als das Arbeitsdossier Körners, in dem er seine Gedanken zum Konzept des Romans und der Themenauswahl notiert hat. Dieser ursprünglich in der Form eines Karteikastens begonnene Textteil umfasst allein mehr als 700 Seiten.

Als Beispiel sehen wir hier eine der ersten Seiten des Karteikastens mit einer Liste der von Thomas Körner verwendeten Grundbegriffe, auf die er immer wieder zurückgreift.

Grundbegriffe bei Thomas Körner

Körner bezieht sich u.a. auf die Handgriff-Theorie mit Arbeitseinheiten im Taylorismus oder er kürzt die beiden Erzählstimmen Kommentarloser Realismus und Barbarocker Kabarettismus ab. Weitere Zusammenhänge erklärt er hier: Struktur der Dinge, die mich machen .

Hier gelangt man direkt zum Fragment vom Buch Erster Kasten.