Fragment vom Buch II – Versuch eines Deep Reading

Das Fragment vom Buch ist ein Teil des Online-Romans von Thomas Körner, das er als »System einer Lebensweise in fünf Karteikästen« bezeichnet. Dieses System sollte man sich genauer anschauen, indem man sich die einzelnen Karteikästen aufruft:

Der Erste Kasten beinhaltet »Das Karteiprogramm« und gibt Auskunft über den schreibenden Arbeiter, bzw. Körner beschreibt es als sein Arbeitsbuch.

Der Zweite Kasten heißt »Der Karteibeitrag« und enthält als eine Art Wörterbuch Worte aus dem DDR-Alltag, Ausdrücke von anderen Schriftstellern, die ambivalent und mehrdeutig sind, aber oft auch so wirken, als seine sie von Thomas Körner selbst erfunden. Wissen Sie z.B., was ein Ideenbordell ist? Schlagen Sie es nach bei Körner, unter i.

Der Dritte Kasten spricht über »Das Karteimitglied« oder das Ich als subjektives Objekt – oder doch vielleicht als objektives Subjekt? Was wäre der Unterschied?  Das lässt sich nur klären, indem man sich in den Karteikasten vertieft. (1488 Karteikarten erwarten uns!)

Im Vierten Kasten lesen wir von »der Karteiführung«. Auf über 1.400 Seiten hat Körner seine Lesenotizen und Zitathinweise auf andere Schriftsteller zusammengestellt, in der Form einer, fast kann man sagen formularmäßig-geführten Ordnung. Er hat eine eigene Systematik entwickelt, wie die Lesenotizen geordnet werden. Diese zu kennen, erleichtert dem Leser des Online-Romans, Zitate widerzufinden.

Im letzten Karteikasten, Fünfter Kasten genannt oder auch »Der Karteitag« – In Gesellschaft herrschender Verhältnisse – lesen wir in einer Art Tagebuch von Thomas Körners Alltag oder von seinen Reisen (nach seiner Flucht aus der DDR). Diese Aufzeichnungen gehen bis ins Jahr 2005. (Der Kasten endet mit der Seite Nummer 1463!)

Oder ersetzen wir das K in den Titeln mal mit einem P: Parteitag, Parteiprogramm etc. Dann eröffnen sich wieder neue Welten. Insgesamt haben wir durchaus ein Leben vor uns – ist es das von Thomas Körner, vom kommentarlosen Realisten oder vom barbarocken Kabarettisten?

Wir finden es heraus!

 

 

Horizontale Ensemblierformel

Körner beschreibt seine systematische Vorgehensweise beim Lesen, daher hat er auch eine mathematisch anmutende Formel dafür gefunden:

s-p-o-th/pr -r/bwz.

Beispiel:
ich lege von dem Ding eine Karteikarte an: – ich –Subjekt, anlegen-Prädikat, Ding – Objekt, denke nach – th Theorie, verhalte mich – pr Praxis, das Ding und ich verändern sich – r Resultat ist ein bwz Bewußtseinszustand.

Die horizontale Ensemblierformel gibt auf einer Karteikarte die Struktur für die Dinge an. Die vertikale Ensemblierformel stellt dann Beziehungen zwischen den Karten her bzw. den Dingen.

Diese Formel nennt Körner in anderem Zusammenhang auch Handgriffmuster –> Handgriff.

Dagegen gibt es die vertikale Ensemblierformel.

Was dann für Thomas Körner aus diesen beiden Formeln folgt, kann der Leser hier verfolgen:

Diese Karteikarte kann man hier im Roman finden.