Horizontale Ensemblierformel

Körner beschreibt seine systematische Vorgehensweise beim Lesen, daher hat er auch eine mathematisch anmutende Formel dafür gefunden:

s-p-o-th/pr -r/bwz.

Beispiel:
ich lege von dem Ding eine Karteikarte an: – ich –Subjekt, anlegen-Prädikat, Ding – Objekt, denke nach – th Theorie, verhalte mich – pr Praxis, das Ding und ich verändern sich – r Resultat ist ein bwz Bewußtseinszustand.

Die horizontale Ensemblierformel gibt auf einer Karteikarte die Struktur für die Dinge an. Die vertikale Ensemblierformel stellt dann Beziehungen zwischen den Karten her bzw. den Dingen.

Diese Formel nennt Körner in anderem Zusammenhang auch Handgriffmuster –> Handgriff.

Dagegen gibt es die vertikale Ensemblierformel.

Was dann für Thomas Körner aus diesen beiden Formeln folgt, kann der Leser hier verfolgen:

Diese Karteikarte kann man hier im Roman finden.

 

Strukturen

Thomas Körner nennt in seinen Fragmenten auch literarische Verfahren oder Ideen zu literarischen Formen anderer Schriftsteller, die ihm als Vorbild gedient haben mögen:

Zu Strukturen zählt er u.a. Baudelaires Versbau, Trakls Bild-Wörter-Ensemble oder Arno Schmidts Berechnungen.

Strukturen bei anderen Schriftstellern

Alle diese Hinweise kann der interessierte Leser aufgreifen, entsprechende Textstellen in Körners System suchen und „ensemblieren“.

Robert Musils literarische Verfahren hat Thomas Körner aufgegriffen und versucht, darauf aufbauend neue literarische Verfahren zu entwerfen, z.B. den formularen Essay. Auf Robert Musils Vivisezieren kommt Körner immer dann, wenn er von Ensemblieren spricht:

Ensembliertechnik ist Vivisektion rückwärts

Formularer Essay

Wie kann man die neuen technischen Möglicheiten des hyperfiktiven Schreibens innovativ gestalten, sie in neue literarische Formen umsetzen?

Thomas Körner sucht nach neuen Formaten, er »versucht« innovative Schreib- und Lesarten: integrierte Lesebilder, die er „formularer essay“ nennt.

Mit dieser Fragestellung, wie man den Roman neu, anders gestalten kann, z.B. ohne Handlung, nur mit fiktiven Gesprächen und Gedanken, hatte sich auch Robert Musil in seinem Lebenswerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ beschäftigt. Z.B. liest man in den im Anhang des Romans enthaltenen Fragmenten, dass sich Musil Gedanken machte zur Erzähltechnik, zur Darstellungsart von Zeit und von Gedanken:

„Erzähltechnik: Katakombe
Der Romancier erzählt als Ich-Erzähler die Geschichte seines Freunds Ulrich: Ich. Ein bitterer, enttäuschter Mensch. Ich erzähle objektiv, aber auch reflektiert, vom eigenen Standpunkt aus, wie ein Überlebender der Katakombe erzählt.
Oder
Darstellungsart: Gedankenbündel.
Oder
Zeit als unwirklich darstellen, als Konflikt Ulrichs mit Zeit: nicht Zeitroman, nicht synthetisch aufbauen, sondern durch ihn aufspalten.“  – aus Musil, Robert. Der Mann ohne Eigenschaften. Anhang: Frühe Studien und Ideenblätter.

Der Schriftsteller Thomas Körner hat Robert Musils Ideen aufgegriffen und versucht, ebenfalls neue literarische Formen zu entwickeln.

Formularer Essay – Aus den Schaltpunkten einer Persönlichkeit ein Schaltbild entwerfen

Körners Umsetzung: Formularer Essay – Schaltbild meiner Persönlichkeit