Die „persönliche materielle Interessiertheit“

Im Lesespiel von der Mitgliederversammlung werden u.a. die von der DDR-Führung propagierten Prinzipien der Kybernetik spielerisch aufgegriffen und zur Diskussion gestellt:

Das von Georg Klaus publizierte Buch („Spieltheorie in philosophischer Sicht“, Berlin 1968) erregte schon 1969 Kritik vor allem von Seiten der DDR-Polit-Prominenz, die ihre Führungsrolle oder die der Partei in Gefahr sahen. Nach dem Aufstand in Prag entwickelte sich eine anti-kybernetische Wende, die bei der Machtübernahme Honeckers auf dem achten Parteitag zu einer offiziellen Abkehr von der Kybernetik führte. 1971 wurde dann das von Hager und Apel entworfene Modell des Nationalen Ökonomischen Systems zur Planung und Lenkung (NÖSPL) umbenannt in Ökonomisches System des Sozialismus (ÖSS). Wenn man diese detaillierten Partei- und Funktionsverzahnungen als Leser vorher recherchiert, kann man die Diskussion im Lesespiel auf verschiedene Weise interpretieren, z.B. wie in der DDR Meinungen gemacht wurden und wie Honecker sich gegen Ulbricht durchsetzte. Es zeigt letztlich die Selbstüberschätzung von Ulbricht:

Mit der Entthronisierung Ulbrichts wurde auch der Kybernetik-Papst Klaus abgesetzt, denn die bisherigen Perspektivpläne (z.B. die von 1959-1965) hatten nicht den ökonomischen Erfolg gebracht, den sie vorher verheißen hatten. Für den Fünfjahrplan 1971-1975 mussten Modifizierungen eingearbeitet werden in Form eines leistungsabhängigen Lohnfonds; gleichzeitig wurde die Bildung eines Prämienfonds entwickelt, bei dem die „persönliche materielle Interessiertheit“ als Hebel für die Leistungssteigerung der Werktätigen genutzt werden sollte. Dadurch sollten die DDR-Bürger angeregt werden, „im eigenen Interesse Leistungen zu vollbringen, die den Erfordernissen der Gesellschaft entsprechen.“Lesespiel WULB zum Fünfjahrplan

Honeckers erklärtes Ziel war die Ausgestaltung der „entwickelten sozialistischen Gesellschaft“.

 

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